Montag, September 24, 2007

Reise in die Vergangenheit

Am Wochenende war ich in Kühhude. Das wird niemanden etwas sagen. Denn Kühhude, das sind eigentlich nur drei Häuser auf einem Berg, mitten im Sauerland. Drei Häuser mit drumherum und obendrüber nichts.


Gebaut Anfang des 18. Jahrhunderts als Kanongut, war die Kühhude ab 1912 eine Jugendherberge und hier schliesst sich der Kreis mit mir: So ca. 1982 war ich das erste mal hier mit meinem damaligen Sportverein. Und in den darauf folgenden Jahren waren wir fast jedes Jahr hier. Und das Programm sah immer gleich aus: Trinken & und mehr oder weniger Sport treiben... (Tja, Papa, schade das du es so erfährst :-)


Die Herberge wurde irgendwann in den 90ern geschlossen, das war echt hart. Denn natürlich hatten sich in all den Jahren jede Menge Mythen, Geschichten, Märchen & Liebschaften in und um die Kühhude angesammelt, bitter, das sollte alles ein Ende haben?!
Wo sollten wir denn mitten in der Nacht Schlitten fahren? Oder verkatert Fußball spielen? Und schlimmsten falls knutschen und am nächsten Morgen bereuen? Wo Nachts in der Küche Wurst klauen und ins Lagerfeuer gucken? Und natürlich hat uns auch der Harald gefehlt. Rechtsanwalt, Bauer & Herrscher auf Kühhude, ausgestattet mit einem ungeheuren Langmut... ein Sauerländer eben, sensationell!


Und nach dem dann fast jedes Wochenende traurige ehemalige Schüler an seine Tür klopften, hatte der Harald erbarmen, wie´s scheint. Er schuftete also los und baute ein Cafe in unseren alten Speisesaal. Hier gibts morgens jetzt ein echtes Landfrühstück mit Ei von der Haus-Henne Hilda... mmmh.


Bio ist dagegen ja wohl eine alte stinkende Socke. Ich wollte ja draussen frühstücken, aber Harald konterte gnadenlos Sauerländisch: "Willste Frühstück oder nich´?"
Und eine kleine "Suite" gibts auch: Voila, unser Domizil: 33 m2 Haus. Postanschrift: Kühhude 2A!



Blick aus dem Bett in den Sonnenaufgang: Kühhude Feeling!


Es war schon besonders schön. Teppi und ich haben das alte Programm natürlich beibehalten, nur weniger Sport getrieben. Und der herbstliche Wald, die saftigen Wiesen, die Katzen, die in der Sonne schlummern, das ungeheure Funkloch, die leckeren Waffeln aus dem alten Gußeisen, das ganze Geziepe und Gezierpe... das es sowas noch gibt.


Der Abschied war ein schweres Schaf. Hier rechts der liebe Harald, der sich in all den Jahren kein bisschen geändert hat. 1982 wussten wir alle nicht, das man 25 Jahre später hier einen Latte Macchiato trinken kann. Ich glaube, sowas gabs da noch gar nicht!? Das Bier wurde damals mit DM bezahlt und auch mit Funklöchern hatte man keine Probleme, aber das war s auch schon, was der Fortschritt hierher gebracht hat... ein Funkloch.



Es ist doch schön, wenn man hier & da auf der Erde ein Fleckchen Heimat hat. Ach, Leute, ich werde schon wieder sentimental!


2 Kommentare:

myglobalsoul hat gesagt…

Ne, was sieht das schön aus! Wenn Du es nicht dazu geschrieben hättest wäre ich von Bayern ausgegangen. Gab's nicht auch mal nen Sauerland Song?

Der_grosse_Transzendentale_Steini hat gesagt…

"das war s auch schon, was der Fortschritt hierher gebracht hat... ein Funkloch."

Pruust. Sehr schön! :-)